Archiv der Kategorie 'alte Blogs 2008-2010'

TerrorTerrorTerror

Dank Google streetview bewege ich mich seit einer Woche online durch meinen sommerlichen Connewitzer Kiez. Jetzt habe ich fast wirklich keinen Grund mehr rauszugehen. Fast! Denn Spielverderber haben durch Anträge dafür gesorgt, dass einige Häuser verpixelt sind (und Terroristen haben durch Anschläge dafür gesorgt, dass einige Häuser gar nicht mehr da sind, Anm. d. Autors nur so am Rande).
Danke dafür! Jetzt muss ich persönlich hingehen und gucken-durch nasskaltes Wetter, vorbei an den steinernen Gesichtern der wetterabhängigen Depressiven aus der Wohngegend, die hier durch den Kiez schleichen, ihr Steinzeitromantiker.
Ich fände es witzig, wenn sich die Häuser in denen die Gegner von streetview wohnen mit riesigen Planen, einer Art Burka für Häuser, völlig vermummen würden und somit das Reelle an das Virtuelle anpassen würden. Aber das sind nur Träume, Narreteien, Schwärmereien aus Wolkenkuckucksheim ohne jede vernünftige Grundlage.
Nun zu der perfiden Pottsau von Bundesinnenminister, die dämlich durch Horn und Glas blickend mit Terrorwarnungen nervt. Das geht mir auf den Adventskranz, den ich noch gar nicht habe und dient doch nur dazu, die Aufrüstung im Polizeistaat zu legitimieren. Mit billigster Küchenpsychologie (»Denken Sie jetzt nicht an blauen Elefanten!«) scheucht er die Menschen auf: »Keine Panik!« vor den mysteriösen Vorgängen und den Feinden von Draußen, die auch nicht dazu gehören.
Seid wachsam gegenüber Gepäck und Personen, die wie Terroristen aussehen und achtet nicht auf die Trottel, die euch regieren.
Unter jedem Weihnachtsmannkostüm könnte ein Krummsäbel lauern. Und nicht in Massenveranstaltungen zusammen rotten, denn nicht etwa kloppfreudige Bullen schaden der Gesundheit von Umweltheini und Bahnhofsgegner, sondern sechs Unbekannte, die aus dem Morgenland kommen um den inneren Frieden im deutschen workfarestate zu stören

Von der Taliban lernen

Was haste Wochenende gemacht? Diejenigen die auf diese Frage in längere Grübelei verfallen, denen geht es so wie mir. Wenn ich mich von Freitag bis Sonntag durch die reizüberflutete Umwelt schlage, um dem Extremsport Freizeit gerecht zu werden versuche, fallen mir in der Rückbesinnung, auch wenn sie nur wenige Zeit nach dem »WE« liegt, nur noch Fragmente ein.
Vielleicht weil ich wahrscheinlich ohnehin nur noch äußerst selektiv wahrnehme, also auf eine gewisse Weise beschränkt bin. Mich betrübt jetzt dieses harte Selbsturteil, werde aber gegen mich in Selbstverteidigung gehen und versuchen mich zu erinnern:
Samstag: Fahrt nach Berlin. Es regnete Strippen und mit meiner Mitfahrgelegenheit sprach ich über die Medien. Viel Garstiges wurde dabei über unsere täglichen Begleiter gesagt, zum Beispiel, dass sie manipulieren und nur am Profit orientiert sind.
Wir wetterten auch gegen Prenzelberg und Friedelheim, die Laptopposer, Milchschaumnarren und Brillenheinis, die den Kiez übernommen haben. Die fahren dicke BMW´s, treiben die Mieten hoch, und machen unzählige Kinder, während wir im Polo über die Autobahn rütteln. Sozialneid! Sozialhass! Sozialamt! Früher war es mal besser! Now Denial!
Ich steige Bersarinplatz aus und renne fast gegen einen Schwaben. Dann Verwandtschaft. Muss mir ein Fotoalbum von Bonn anschauen. Das es so etwas gibt und dann noch in der eigenen Sippe. Was habe ich nur falsch gemacht? Die bösen Medien.
Album von Bonn. Stundenlang! Ich gähne, jappse nach Luft in der überhitzten Buchte. Na wer ist denn da schon müde? Dabei gibt es keinen Grund. Nach gefühlten tausend Fotos Bonn kommen noch Fotos von Köln und ein Witz mit Rhein und Reinfall aus dem Mund eines Blutsverwandten, der mir aber zu komplex war, um ihn hier adäquat wiedergeben zu können.
Sonntags Treffmarathon mit verschiedenen Leuten »auf´n Kaffee«. Nasche am Milchschaum eines Latte M. Fast hätte ich mir auch einen bestellt in diesem hippen Bagelschuppen in der Friedelstraße.
Dann noch schnell »Topographie des Terrors« und rein in den Interconnex. Im Abteil stehen milchgesichtige Bundeswehrdeppen und unterhalten lautstark die ganze Bahn mit ihren Ausbildungsgeschichten. Vergleichen anderthalb Stunden ihre Schwänze mit Klatsch und Tratsch aus der Waffenkammer. Man beschwert sich über einen verweichlichten Rekruten aus der Baracke, der wie Harry Potter aussieht und keine richtige Leistung bringt, denn der hat nach 500 Metern Marsch schon geröchelt. »Den müsste man steinigen!« nölt einer laut. Not bad, denke ich. Von der Taliban lernen heißt siegen lernen.
Einer beschwert sich über die in der Truppe, die nicht richtig marschieren können. Da »kriegt man Hakenkreuze in den Augen«.
Dann lästert einer über seinen dicken Stubenkumpel, »der »richtige Titten« hat und sich »jeden Abend einen wichst«. Pfui, schreinen alle. ( nicht wortwörtlich).
Dann Leipzig. Die Spezialtruppe steigt aus und rennt zum Anschlusszug. Eine neue Woche steht bevor.




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