Archiv für August 2013

Die Ekelpakete von HELLersdorf

Gegen ein Asylbewerberheim regt sich „Anwohnerprotest“. In üblicher Manier reißen da Wutbürger und eingeborene Nazis das Maul auf und den Arm hoch: „Ich hab ja nichts gegen Ausländer, ABER…“, und dann plärrren sie die ganze Palette fadenscheiniger Phrasen in die Welt.
Das übliche Konglomerat aus widersprüchlichen Meinungen und dumpfen Ressentiments: Da sind angeblich arbeitsfaule Ausländer gierig auf die Jobs erwerbsloser Kartoffeldeutscher. Da phantasiert man Gefahren herbei und eine hysterische Heulsuse führt die eigenen Kinder und Autos heran, die jetzt nicht mehr sicher seien, wegen „das“ was da kommt.
Wären diese doom-deutschen Dumpfbacken bereit zu reflektieren, dann könnten sie den Schwachsinn durchschauen, stattdessen verharren sie voller Schiss in ihrer selbstgewählten Beschränktheit und rotten sich zusammen. So überwindet der Mob aus impertinenten Ekelpaketen die eigene kalte Gesellschaft zu mindestens temporär, wenn er sich bündisch unter der vermieften Decke wiederfindet und sich an den eigenen Brandreden wärmt. Aber kein Mitgefühl für Menschen, die vor Krieg und Armut fliehen. Das haben sie nur für sich selbst. Die Hellersdorfer Hohlköpfe wollen die Flüchtlinge nicht und würden sie gern aus der Stadt jagen, aber gleichzeitig brauchen sie diese für den selbsterhöhenden Vergleich, die Tritte nach unten und als Grund wie angestochen zwischen den Blocks zu krakeelen. Es ist zum Kotzen. Dieses Pack will einfach nicht aussterben.

Ich bin ein Erdling, kein Berliner…

Letztens wurde ich auf einer Party in Berlin von einem anwesenden Gast gefragt, ob ich geborener Berliner sei. Als ich bejahte, rief das Erstaunen bis Anerkennung hervor, weil Berliner in Berlin offenbar rar gesät sind. Diese Art von drögem Dialog ist mir in letzter Zeit schon öfter passiert. Ich sach mal so: Ich bin in erster Linie Erdling, dass reicht mir soweit erstmal-genauere Bestimmungen sind doch pedantischer Bockmist.

Mir sind solche Gespräche aber immer unangenehm, deswegen habe ich mir im inneren Phantasiereich schon ausgemalt wie solche Gespräche demnächst ablaufen sollten:

Nachdem sich also die Erstaunten über den Umstand, einen Berliner in Berlin vorzufinden wieder eingekriegt haben, werden sie so wie immer fragen: „Ost oder West“
„Was meinst Du?“ werde ich dann fragen, eine überreife Banana hervorzaubern und sie ungeschält verschlingen. Die Aufmerksamkeit der Anwesenden wird steigen und ich hole mein Smartphone hervor und aktiviere die Leierkasten-App. Dann blase ich die Backen auf wie Didi Hallervorden, wiege die Hüften, tänzle ein wenig wie Dieter Thomas Heck im zu engen Zweireiher und verfalle in einen näselnden Sprechgesang:

„Det ik Berliner bin, ditte sieht man mir nich an
Doch tu ik ersma schwadronieren
Hört man wat ik kann
Der Berliner is n janz schön dufter Typ
N knorke Kumpel mit viel Herz
Alle ham ihn lieb…“

Ein Teil der Zuhörer greift zu ihren Smartphones und aktiviert eine Übersetzungssoftware Berlinisch-Englisch. Ich fahre unbeirrt fort:

„Der West-Berliner hat einst die Mauer abjebaut
Dann hat der Ost-Berliner
sich im joldnen Westen seinen Reichtum zusammjeklaut
Hach Leute, mir is schon wieder janz schön blümerant
Ick bin een Berliner und ihr habt dit erkannt…“

Verdammt, diese Phantasie macht mir Angst. Ich sollte nicht mehr zu diesem Thema phantasieren, sonst träum ich nachts noch schlecht. Vielleicht davon, dass ich als letzter Berliner in den Zoo, gar ins Primatenhaus gesperrt werde und dann versucht man mich mit Bananen zu mästen und mit der eigentlich zugezogenen Cindy aus Marzahn zu kreuzen…Igitt…Oh Gott, böse Phantsien! Raus aus meinem Kopf. Wo kommt das alles her??? „Der Wunsch ist Vater des Gedankens!“ sagen gewisse Bafög-Verbraucher in aufdringlicher Gelehrsamkeit. Aaaaaahhhh nein! Das kann man SO nicht sagen…Das…das…das muß nicht immer zutreffen. Dieser Sigmund Freud hatte doch selber so seine Probleme…




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