Archiv für April 2013

Gefangener der BVG

Der Umstand, dass die Tram nicht in die gewünschte Richtung fuhr, sondern quietschend in eine Art Betriebshof einfuhr, irritierte mich. Vor allem, weil ich da drin saß, Als einziger Fahrgast. Mutterseelenallein in der gelben Schlange. Da muß mir wohl am Hackeschen Markt etwas entgangen sein, dachte ich mir und riß die plärrenden Kopfhörer aus meinen Lauschern. Ich drückte den Türöffner-Knopf. Die Tür blieb zu.
In Reichweite befand sich eine kleine Sprechanlage, eine Ausschilderung informierte, dass sich bei Knopfdruck der Fahrer meldet.
Ich drückte, die Sprechanlage ließ Freizeichen von sich und dann rotzte es unglaublich laut und übersteuert aus allen Lautsprechern: „Krssssszischh,,,,Na hamwa ausgeschlafen….ktrsdchjkljjfdhna….“
Den Rest verstand ich REIN AKKUSTISCH nicht. Ich kann aber soviel sagen: Der weiblichen Stimme fehlte es deutlich an Wärme. Kleinlaut begehrte ich die Öffnung der Tür. Es rotzte abermals aus allen Rohren. Kein Wort verstanden. Es klang wie ein Fauchen, Zischen oder Kläffen. Von allem etwas. Schnell raus, sonst legt die mich noch übers Knie und diktiert mir irgendwelche Richtlinien.
Ich drückte aufgeregt aus Versehen den STOP-Knopf und dachte es wäre der Türoffner, der sich nämlich darüber befindet. Die Tür öffnete sich nicht. Ich stutzte, wurde aber im Stutzen jäh von der ekelhaften Stimme aus dem Off angebrüllt: „Krkkkssss…pfhhfppdmkl….Schaffen wat, oder soll ik noch persönlich die Tür aufmachen…krkksss“
Angstschweiß spritze mir aus den Achseln. Panik verengte mir das Sichtfeld. Ich pickte panisch, stakkatohaft, diesmal auf den richtigen Knopf, stürzte hinauaus und kackte hefig hechelnd einen Riesenhaufen hinter die Bahn.
Nein, das mit dem Haufen ist gelogen. Der Rest stimmt und ich hatte keinen Bedarf nach vorne zu gehen und die krakeelende Fahrerin mit eindeutigen Handzeichen zu konfrontieren. Welches hätte ich auch anwenden sollen? Für den Mittelfinger fühle ich mich zu alt und für die „Scheibe“, also das demonstrative Herumwischen vor dem eigenen Gesicht zum Zwecke demonstrativer Geringschätzung des Gegenübers, zu jung. Es sind harte Zeiten.




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