Archiv für April 2012

Berufsfeldfindung: Matratzenvertreter

Meine ganz persönliche Arbeitsvermittlerin hat mir ans Herz gelegt, auch andere Berufsbereiche in Betracht zu ziehen. Geisteswissenschaftler braucht hierzulande keine Sau. Da hab ich nun sechs Jahre studiert und brauchte auch fast genauso lange dies zu erkennen. Nun gut, ich werde mich nach coolen Jobalternativen umschauen und spähen, welche potentiellen Sklaventreiber mich zukünftig in die Rente peitschen, die es nie geben wird. Da ich so zwischen 10 und 11 Uhr vormittags auch ein ganz aufgewecktes Kerlchen bin, finde ich auch in meiner Umgebung immer wieder Möglichkeiten, wo ich meine Brötchen verdienen könnte.
Ständig komme ich an Filialen der Firma Matratzenconcord vorbei. Dort zu arbeiten, muss doch traumhaft sein, dachte ich mir. Jede Woche irgendeine Aktion wegen der 134 Feiertage im Matratzenkalendar.. Mannshohe, leuchtende Buchstaben werben für UNGLAUBLICH GÜNSTIGE Rabatte, hunderte Luftballons schmücken den Eingang des Schaumstofftempels. Nur glückliche Menschen wegen günstigen Preise… und wenn ich da als Verkäufer jesusgleich die Federbetten verschenke…hach…endlich ein richtiger Gutmensch sein.
Doch dann betrat ich so ein Geschäft. Der Tür-Gong schreckte eine Krähe mit Namenschild auf, die mich nach knapper Begrüßung und kurzen Fragen gleich auf eine Federkernmatratze knallte und mir Vorträge über die bevorstehende dunkle Zukunft meiner Wirbelsäule hielt, wenn ich nicht sofort diese Matratze und ein zugehöriges Lattenrost für ca. 8000 Euro erwerbe und gegen meine vermilbte Liegefläche im heimischen Verschlag tauschen würde. Nachdem sie mich noch breit schwadronierend über zwanzig Matratzen schleifte und in ein Dutzend Kissen und Decken stukte, bespikte sie mich mit Werbematerial und einer Visitenkarte und entließ mich aus ihren Fängen.
Draußen wischte ich mir mit einem Luftballon den Angstschweiß von der Stirn, schritt mit weichen Beinen in Richtung Märchenbrunnen und legte mich deprimiert über die steinerne Schildkröte.
Matratzenvertreter ist vielleicht doch nichts für mich. Ich habe den Eindruck, diese Leute stehen unter einem hohen Verkaufsdruck und Druck kann ich bei der Arbeit überhaupt nicht gebrauchen.

Ein Tag mit Lance-Unter Zikaden

Das Abenteuer geht weiter! Jürgen und Jörg sind immer noch auf der Suche nach unserem Freund Lance, der ja bekanntlich entführt wurde. Nun kommt eine weitere Person ins Spiel, die den beiden bei ihrer Suche ein große Hilfe sein wird. Übrigens wurde ich heute wieder an der Kasse gefragt, ob ich Treueherzen sammle. Ich sagte Nein, hätte aber gern noch ein pathetisches NIEMALS hinterher geschoben.

Juliana Helena Fernandez hat schon viele Sommer erlebt. Ihre Gesichtshaut ist gebräunt, ihr schwarzes Haar, von einzelnen weißen Haaren durchzogen, fällt wie heißes Teer über die schmalen Schultern ihrer drahtigen Gestalt. Ihre dunklen Augen blitzen wütend, während sie laut und erregt in fast Akzent freiem Deutsch über das „La Playa“ spricht. „La Playa“ ein umzäuntes Bungalowdorf am Strand. Nicht weit von hier. Dort hätten sich seit Monaten ein paar ominöse deutsche Filmleute und ein paar Dutzend verhaltensauffällige Statisten breit gemacht, die mit ihrer penetranten und ihrem öffentlich promisken Gebaren am Strand und im Ort schon viel Missmut auf sich gezogen hätten.
Wir sitzen auf der Veranda ihrer kleinen Finka, trinken Saft und lauschen Julianas Worten. Die Sonne ist schon fast vom Meer verschluckt und der allabendliche Zikadenchor bemüht seinen Singsang.
Juliana arbeitet tagsüber als Animateurin in einem Hotel neben der Ferienanlage. Von ihrem Büro aus, wo sie die Sportpläne für abgelaufenes Urlauberfleisch erstellt, kann sie das Treiben in der fast hermetisch abgeriegelten Anlage beobachten. Sie spricht von sektenähnlichen Zuständen. Ein riesiger Spanier-wahrscheinlich die Hackfresse, die mir jüngst auf die Kauleiste drömmelte-bewache den Eingang, ein Mann mit Schal, den wir ab jetzt bitte nur noch Schal nennen, führe sich dort auf wie ein Guru. Überall sind Kameras installiert und zwei Kameramänner, die niemals schlafen, schwirren überall umher. Merkwürdige Rituale werden dort Nacht für Nacht zelebriert.
Sonne, Sangria und des Schals strammes Regiment haben den Statisten offenbar das Hirn gewaschen. Gedreht wird rund um die Uhr. Die Leute sind dadurch auf ihre eindimensionalen Charaktere zurück geschrumpft, ja der Begriff Persönlichkeitsstörung mag das kollektive Bild nicht mehr umschreiben. Jeder Schritt wird dirigiert, beliebig wiederholt und vorgeschrieben vom Drehbuch des Wahnsinns. Nein, das ist kein freies Dasein unter der lachenden Sonne Mallorcas. Das ist nur noch das hilflose Zucken gebrochener Primaten in einer absurden Pseudorealität, die aus dem kranken Hirn des Schals gekrochen ist. Juliana beendet ihren Bericht, bekreuzigt sich und sackt zusammen.
„Verdammich nochmal!“ brüllt Jürgen und haut auf den Tisch, entschuldigt sich aber im gleichen Augenblick wegen seines Ausbruchs. Er hält kurz inne, zückt dann sein Handy und schiebt seinen Zeigefinger übers Display.
„Was tust du da?“ frage ich.
„Ich rufe jemanden an..einen Freund, der bei der Polizei arbeitet….“
„Leider zwecklos…“ sagt Juliana. „Die Polizei war schon oft da, aber spanische Gesetze können nichts ausrichten gegen solche Machenschaften..Es ist ihnen nichts nachzuweisen.“
„Armes Deutschland“ murmelt Jürgen und bricht sein Vorhaben ab. Juliana und ich sehen uns irritiert an.
„Wir sollten erstmal hin und uns die Sache aus der Nähe anschauen“ sage ich.
„Das ist eine gute Idee! Können wir morgen dein Büro als Aussicht nutzen“ fragt Jürgen in Julianas Richtung.
„Ja, sicher! Aber warum erst morgen?“ fragt Juliana.
„Ja, warum erst morgen?“ stoße ich ins gleiche Horn. “Kenne deinen Feind und kenne dich selbst, und in hundert Schlachten wirst du nie in Gefahr geraten, hat Sun Tsu gesagt…das gilt, soviel ich weiß, auch für abends.“
Juliana zwinkert mir zu. Das Zitat hat offenbar bei ihr eingeschlagen wie eine Rakete. Jürgen zögert kurz, doch dann sagt er:
„Teufel auch! Lass uns los fahren!“ Er springt auf und blickt wild entschlossen um sich.
„Nicht so schnell!“ lacht Juliana. „Erst essen wir noch etwas und dann können wir los.“

Ein Tag mit Lance-Unter Zikaden

Das Abenteuer geht weiter! Jürgen und Jörg sind immer noch auf der Suche nach unserem Freund Lance, der ja bekanntlich entführt wurde. Nun kommt eine weitere Person ins Spiel, die den beiden bei ihrer Suche ein große Hilfe sein wird. Übrigens wurde ich heute wieder an der Kasse gefragt, ob ich Treueherzen sammle. Ich sagte Nein, hätte aber gern noch ein pathetisches NIEMALS hinterher geschoben.

Juliana Helena Fernandez hat schon viele Sommer erlebt. Ihre Gesichtshaut ist gebräunt, ihr schwarzes Haar, von einzelnen weißen Haaren durchzogen, fällt wie heißes Teer über die schmalen Schultern ihrer drahtigen Gestalt. Ihre dunklen Augen blitzen wütend, während sie laut und erregt in fast Akzent freiem Deutsch über das „La Playa“ spricht. „La Playa“ ein umzäuntes Bungalowdorf am Strand. Nicht weit von hier. Dort hätten sich seit Monaten ein paar ominöse deutsche Filmleute und ein paar Dutzend verhaltensauffällige Statisten breit gemacht, die mit ihrer penetranten und ihrem öffentlich promisken Gebaren am Strand und im Ort schon viel Missmut auf sich gezogen hätten.
Wir sitzen auf der Veranda ihrer kleinen Finka, trinken Saft und lauschen Julianas Worten. Die Sonne ist schon fast vom Meer verschluckt und der allabendliche Zikadenchor bemüht seinen Singsang.
Juliana arbeitet tagsüber als Animateurin in einem Hotel neben der Ferienanlage. Von ihrem Büro aus, wo sie die Sportpläne für abgelaufenes Urlauberfleisch erstellt, kann sie das Treiben in der fast hermetisch abgeriegelten Anlage beobachten. Sie spricht von sektenähnlichen Zuständen. Ein riesiger Spanier-wahrscheinlich die Hackfresse, die mir jüngst auf die Kauleiste drömmelte-bewache den Eingang, ein Mann mit Schal, den wir ab jetzt bitte nur noch Schal nennen, führe sich dort auf wie ein Guru. Überall sind Kameras installiert und zwei Kameramänner, die niemals schlafen, schwirren überall umher. Merkwürdige Rituale werden dort Nacht für Nacht zelebriert.
Sonne, Sangria und des Schals strammes Regiment haben den Statisten offenbar das Hirn gewaschen. Gedreht wird rund um die Uhr. Die Leute sind dadurch auf ihre eindimensionalen Charaktere zurück geschrumpft, ja der Begriff Persönlichkeitsstörung mag das kollektive Bild nicht mehr umschreiben. Jeder Schritt wird dirigiert, beliebig wiederholt und vorgeschrieben vom Drehbuch des Wahnsinns. Nein, das ist kein freies Dasein unter der lachenden Sonne Mallorcas. Das ist nur noch das hilflose Zucken gebrochener Primaten in einer absurden Pseudorealität, die aus dem kranken Hirn des Schals gekrochen ist. Juliana beendet ihren Bericht, bekreuzigt sich und sackt zusammen.
„Verdammich nochmal!“ brüllt Jürgen und haut auf den Tisch, entschuldigt sich aber im gleichen Augenblick wegen seines Ausbruchs. Er hält kurz inne, zückt dann sein Handy und schiebt seinen Zeigefinger übers Display.
„Was tust du da?“ frage ich.
„Ich rufe jemanden an..einen Freund, der bei der Polizei arbeitet….“
„Leider zwecklos…“ sagt Juliana. „Die Polizei war schon oft da, aber spanische Gesetze können nichts ausrichten gegen solche Machenschaften..Es ist ihnen nichts nachzuweisen.“
„Armes Deutschland“ murmelt Jürgen und bricht sein Vorhaben ab. Juliana und ich sehen uns irritiert an.
„Wir sollten erstmal hin und uns die Sache aus der Nähe anschauen“ sage ich.
„Das ist eine gute Idee! Können wir morgen dein Büro als Aussicht nutzen“ fragt Jürgen in Julianas Richtung.
„Ja, sicher! Aber warum erst morgen?“ fragt Juliana.
„Ja, warum erst morgen?“ stoße ich ins gleiche Horn. “Kenne deinen Feind und kenne dich selbst, und in hundert Schlachten wirst du nie in Gefahr geraten, hat Sun Tsu gesagt…das gilt, soviel ich weiß, auch für abends.“
Juliana zwinkert mir zu. Das Zitat hat offenbar bei ihr eingeschlagen wie eine Rakete. Jürgen zögert kurz, doch dann sagt er:
„Teufel auch! Lass uns los fahren!“ Er springt auf und blickt wild entschlossen um sich.
„Nicht so schnell!“ lacht Juliana. „Erst essen wir noch etwas und dann können wir los.“




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