Archiv für November 2011

Hört endlich auf mit diesen Stiefeln

Immer wenn im Fernsehen eine Sendung über Neonazis anmoderiert wird, findet sich im Hintergrund ein Bild mit einem oder mehreren Paaren Springerstiefel. Seit zwanzig Jahren das gleiche Motiv. Würden die Leute vom Fernsehen mal genauer hinschauen, würden sie feststellen, dass diese Art von Schuhbekleidung mittlerweile weniger häufig des Faschos Füße kleidet. Die neuen Nazis sind in der Wahl ihrer Schuhe und sonstigen Kleidung äußerst vielfältig geworden.
Einige Medien, die vollmundig behaupten, gewisse staatliche Institutionen seien auf dem rechten Auge blind, haben offenbar selbst keinen Durchblick. Die sind nicht blind, sondern aus taktischen Gründen ignorant. Ein großes Problem wird wie eh und je kleingeschwindelt. Deswegen wird auch nach über 150 rassistischen Morden, die in Deutschland passiert sind, bei den sogenannten „Dönermorden“ nicht in Richtung Rechts ermittelt.
Zudem verleugnen die Stiefel als Symbol auch die Tatsache, dass Antisemitismus und Rassismus die Gesellschaft vom Rand bis zur Mitte durchzieht. Das was die braune Brut in den ostdeutschen Gruselkäffern im Mob heraus schreit, ist das was die selbst ernannten Otto-Normalverbraucher dort ohnehin denken. Wie viele der ganzen korrekten Gutmenschen drücken reflexartig ihre Handtasche näher an den Körper, wenn dunkelhäutige Bürger hinter ihnen auf der Rolltreppe stehen, rechnen bei bestimmten Leuten lieber nochmal nach und können sich oft schon denken wo der Araber dort das Geld für die Luxuskarre her hat? Der rassistische Alltag der Stammtischler und „Ich hab ja nichts gegen Ausländer, aber…“ bildet den Nährboden, aus dem sich die selbst zu Vollstreckern des Volkswillens ernannten Killer erwachsen.
Das deutsche Fernsehen sollte diesen Umstand berücksichtigen, von der Stiefelstereotype abrücken und sich die Abbildung hoher Schuhe für den 6. Dezember aufsparen. Mein Vorschlag für ein diesbezügliches Motiv, wenn die Thematisierung rechter Gewalt nun unbedingt mit Schuhen eingeleitet werden muss, könnte so aussehen:
Ein paar adrette Herrenschuhe, neben glänzenden Stöckelschuhen, daneben staubige Birkenstocksandalen und ein Paar flotte Sneakers. Dahinter Rauchschwaden und Fragmente verfassungsfeindlicher Symbole. Irgendwie so oder anders, aber hört endlich auf mit diesen Stiefeln.

Ein Tag mit Lance-Merkwürdiges Wiedersehen

Yeah, meine Homies! Lance ist wieder da.Diesmal auf der schönen Insel Mallorka! Mallorcka: Sonne, Sand und Sangria! Mit seinen weißen Stränden, coolen Clubs und klasse Freizeitangeboten ist die Insel der BMW unter den spanischen Inseln der Südsee. Majorca: Party, Pullen und Pornodreh! Malle: Boys, Bier und Ballermann! Aber auf Malle gibs auch Patsche! Und darin sitzt Lance und ruft nach Hilfe. Jörg ist unterwegs. aber dis tut er nicht allein sein!!!

Einem Netz von Kausalitäten ist es nun zu verdanken, dass ich hoch über den Wolken mit den Eltern von Lance im Bumsbomber 747 nach Malle sitze.
Die letzten Tage waren anstrengend. Lance hatte vor sich bei mir auf dem Handy von Mallorca aus gemeldet und gefleht, dass ich ihn aus den Fängen verruchter Filmemacher befreie. Die hätten ihn im Suff einen Knebelvertrag für eine Rolle bei X-Daieries unterschreiben lassen, noch in der gleichen Nacht nach Palma verschleppt und seiner Dokumente entledigt, wo er jetzt den dummen Udo an der Seite der fetten Jasmin spielen muss. Lance als Darsteller in einer Pseudo Doku Soap über Vollidioten in einer spanischen Fernerholungsanlage. Die Dialoge sollen ja halb von Affen geschrieben sein und halb von den untalentierten Darstellern improvisiert. So ein Ende hat selbst Lance Stiehl nicht verdient. Ich beschloss ihm zu helfen.
So trug ich diese Begebenheiten zeitnah seinen Erzeugern zu. Nun ich reduzierte die Geschichte darauf, dass Lance kurzfristig nach Mallorca reiste und unter dem Verlust von Geld und Papieren litt. Darum hatte er mich noch gebeten. Die Mutter pendelte über das Lebenszeichen ihres Sohnes minutenlang zwischen Freudentanz und Heulanfällen und der Vater näselte unverständlich durch seinen nässenden Nasenverband. Man beschloss sofort nach Malle zu fliegen und Lance abzuholen.Und ich sollte mitkommen. Ich ließ mich nicht lange bitten, denn ein kleiner Trip ins Warme sollte auch unter diesen Umständen nicht die schlechteste Idee sein.
Nach nur vier Stunden Internetrecherche hatte der ledierte Herr Stiehl drei Tickets gebucht und so fanden wir uns am nächsten Morgen pünktlich vier Stunden vor Abflug auf einem Flughafen wieder.
Und jetzt sitze ich hier . Eingeklemmt zwischen den beiden teigigen Figuren, weil Vater Stiehl unbedingt mit dem Feldstecher am Fenster sitzen muss und die nervöse Mutter Stiehl wegen stetigem Harndrang am Gang platziert sein muss. Der Vater schnauft und schwitzt und plappert Reiseführerwissen vor sich hin. Die Mutter springt im 5-Minutentakt auf und macht sich am Gepäckfach zu schaffen. Mein Reisefieber hat sich zu einer Reise- und Menschenallergie gewandelt. Ich will hier raus! Zurück in meinen Bezirk!
Der Flieger ist über dem voll gepumpt mit mit chronisch steigender Urlaubsstimmung. Ich stopfe mir die Ohren mit Mucke zu, stelle mich tot und sinniere über das Leben. Immer kommt alles anders als man erwartet. Vielleicht sollte man gar nichts mehr erwarten. Dann wäre man nur noch überrascht. Auch nicht schlecht! Ist aber eine Einstellung, die sich sich schnell ins Gesicht fräst und dann hat man bald niemanden mehr auf dieser Welt. Geworfen in die Einsamkeit des Lebens. Zwei Buchdeckel. Geburt und Tod. Dazwischen eine kärgliche Story aus tabellarischer Lebenslauf und Mein schönster Ferientag.
Mittlerweile bin ich richtig mies drauf. Könnt mich aus dem Flieger stürzen, aber der setzt gerade zur Landung an. War ja klar. Da haben wir es wieder. Fick dich ins Knie Gott! Du kannst das ja bestimmt.
Ein fetter Applaus und ein paar Minuten stehen wir am Kofferfließband. Wir sind natürlich fast die letzten die ihr Gepäck erhalten. Der riesige Koffer von Frau und Herrn Stiehl platzt auf und erbricht kiloweise Wäsche auf den polierten Boden, als wir ihn vom Förderband heben. Frau Stiehl wirft sich zu Boden und sammelt hastig Privates ein. Herr Stiehl gibt Kommentare und ich halte Maulaffen feil.
Da ertönt eine Stimme hinter uns:
„Mom! Dad!“
Wir drehen uns um. Und da steht er – der verlorene Sohn. Hinter ihm steht eine dralle Dame von vielleicht 25 Jahren und tritt verlegen von einem Bein auf´s andere. Noch weiter hinten richtet ein Mann eine Kamera auf uns und filmt. Daneben ein Typ mit Seidenschal und Designerbrille. Was zur Hölle ist hier los???




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