Archiv für März 2011

Der Einheitsfüller

Diebe haben dem Genscher den Einheitsfüller geklaut. Das schreit einem heute die Bild von überall
entgegen. Ob das nun den, vom Einheitsfüller signierten, Einheitsvertrag tangiert, wurde nicht thematisiert. Ja, das Land hat es schwer in diesen Tagen: Am Samstag gab Knut den Löffel ab, dann die Sache mit dem Füller und gestern ist mir ein Senfglas runter gefallen und zerborsten. Was kommt als nächstes???

Japan-Soundtrack zum Untergang

Seit Tagen konsumiere ich die schrecklichen Bilder aus Japan. Es erzeugt in mir ein mulmiges, fast apokalyptisches Gefühl und es macht mich wütend, dass die Katastrophe auch von den Flugunternehmen fortgesetzt wird. Einen einfachen Flug bekommt man jetzt ab 8000 Euro, die First class-Flucht ab 20.000 Euro. Das sollte einem sein Leben schon wert sein, denken sich die Verantwortlichen vielleicht. Wo die, die alles verloren haben nun 8000 Euro hernehmen sollen, scheint die Geier nicht zu interessieren. Aber die Armen haben eh die geringste Lebenserwartung! Der nadelgestreifte Rechenschieber wird das wissen.

Das Kapital kennt offensichtlich keine Moral und die geldgierigen Unmenschen beugen sich weiter den gleichen Sachzwängen, die auch zu dieser Katastrophe geführt haben. Die Wahnidee vom grenzenlosen Wachstum, der Aufbau einer zweiten Natur aus unbeherrschbarer Technik, die die erste Natur erheblich tangiert und umgekehrt – alles zum Nutze des Profits, führen uns an den Abgrund. Und während die Menschheit in die Tiefe stürzt, wird es immer noch solche geben, die bis kurz vor dem Aufschlag mit Zahlen jonglieren und sich von Bilanzen ziehen lassen. Seit über hundert Jahren existiert die Warnung, dass Fortschritt in sein Gegenteil umschlagen kann. Der Mensch mißbraucht sein Hirn zum eigenen Schaden, und genau das kriegt er da nicht rein. Doch all das schlagen die Lobbyisten meist in den verseuchten Wind. Fuck the world! Wir sind nicht zu zweifeln geboren, sondern zum Geld verdienen!
Die Bilderaus Japan machen solche Ansgt, dass sich die Deutschen auf Jodtabletten stürzen und Geigerzähler wegkaufen. Trotzdem habe ich nicht das Gefühl, dass sich groß was ändert im kollektiven Bewußtsein. Die Medien funktioniern jedenfalls weiter wie zuvor. Dingdong, pling und rambazamba spektakelt es bunt aus der Kiste! Wer sucht eigentlich die Musik aus, mit der die Best off- Zusammenschnitte der Katastrophe untermalt werden? Die Tracks reichen von trauriger Klaviermusik bis zu Actiongedröhne. Der Untergang braucht eben noch zusätzlich einen Soundtrack, damit die Quoten brummen.

Ein Tag mit Lance- Mission impossible!!!

Lance is immer noch nicht aufgetaucht. Jörg macht sich, schwer vom Alkohol gezeichnet, auf die Suche. Wird er Lance finden? Und wer ist Pitchgirl 11? Fragen über Fragen! Ein gelüftetes Geheimnis zieht ein weiteres nach sich. Die ganze Geschichte wird immer mysteriöser und verknoteter. Ich hab ein bisschen Angst, dass die „Hells Mopeds“ noch eine ganz, ganz unangenehme Rolle spielen werden. Das wäre fatal. Denn diese Bikergang sind Feinde der Demokratie…äh ja…egal

»Heeeey. Wie geht’s dir denn ?« sagt Pitchgirl11 alias Katja alias Katzenauge, drückt mich ganz fest und reibt über meine Jacke. Ich wusste doch, dass sie es ist und zum ersten Mal fühle ich mich gut heute. Wie sie mich mitleidsvoll bestürmt. Ja, auch die kleinen Katastrophen schweißen Menschen zusammen.
Wir gehen in die Küche und da sitzen verkaterte Studenten und nippen aus ihren geklauten Mensatassen. Sie gucken mich noch etwas befremdlich an wegen der Nummer von letzter Nacht, aber der verschwundene Lance überlagert dies im Moment. Jeder gibt seinen Senf dazu und erhebt sich zum Experten für die Suche von Vermissten. Ich bekomme einen türkischen Kaffee serviert, der nach den ersten Schlucken meine empfindliche Magenwand in Alarmstimmung versetzt und meinen Mund mit braunen Krümeln füllt. Dann können wir endlich gehen.

Im weißen Tageslicht sieht Katja genau so fertig aus wie ich, das schafft auch in dieser Hinsicht gleiche Augenhöhe und so fühle ich mich noch verbundener mit ihr.
Wir nehmen die Straßenbahn. Der Fahrkartenautomat verweigert konsequent die Annahme meines Geldstücks. Höhnisch klimpert es immer wieder in das Ausgabefach. Das macht mich rasch wütend. Der Scheißautomat bekommt die Münze noch so oft zu schmecken bis sich Katjas Hand beruhigen auf meinen Arm legt:
»Hey, es geht nicht…die paar Stationen«

Die Tram ruckelt mit uns durch die albern aufgetakelte Innenstadt und dann in Richtung Norden durch die weniger attraktiven Wohngegenden. Eine warme Frauenstimme kündigt jede Station so sinnlich an, dass man sich einem leichten Anflug von Behaglichkeit nicht entziehen kann.
In meiner Phantasie hat die Stimme einen Körper. Ein Mischwesen aus
Hannelore Fischer vom ZDF-Mittagsmagazin und Sandra Maischberger lenkt vergnügt die Elektrische durch die Stadt der kranken Seelen.
Je mehr wir uns aus dem Stadtkern entfernen, um so geringer wird die Anzahl von Cafés und Fashionstores zugunsten von dubiosen Geschäften vor denen trinkende Menschen mit viel Tagesfreizeit stehen. Um so grauer werden auch die Fassaden, um so zahlreicher die Plakate, die für Howard Carpendale und Reptilienmesse werben.
Vor jeder Station checke ich nervös und fluchtbereit den Außenbereich. Jeder von denen, die hier einsteigen, könnte ein Kontrolleur sein: Beutelträger, Jeansjacken, Kamm in der Arschtasche, Schnauzbärte in verquollenen Gesichtern könnten jetzt einen speckigen Ausweis checken und mich um ein paar Mäuse erleichtern.
Dann entspanne ich mich aber und wir quatschen richtig gut miteinander, dass wir fast die Station verpassen.
Die Straße am Stadtrand, in der Lancies Eltern wohnen ist von schnöden Spitzdacheinfamilienhäusern dominiert.
Hier wäscht man Samstag vormittag noch Auto, geht mit Glasfaserkabel ins Netz und schneidet inbrünstig die Hecke
Ich hab die Hausummer nicht im Kopf, deswegen müssen wir jedes Klingelschild begutachten. Mißtrauen und Argwohn schlägt uns von den Bewohnern entgegen. Verstohlen, den Finger schon an der Wählscheibe, schauen sie über ihre Sicherheitszäune.
Bei einem Grundstück springt brüllend ein Riesenschnauzer ganz unerwartet gegen den Zaun, dass ich fast einen Herzkaspar
erleide. Nachdem wir die ganze Straße abgeklapper haben, stehen wir auch endlich vor dem Grundstück von Familie Stiehl. »Vorsicht vor dem bisschen Hund« steht auf einem gelben Schild am Zaun. Drei mal laut gelacht! Der Stiehl´sche Köter ist seit zwei Jahren tot. Das wurde mir bei unserer letzten Begegnung lang und breit erzählt.
Wir betreten das Grundstück, gehen vorbei an Gartenzwergen, weißen Plastikstühlen, Hollywoodschaukel und Rabatten zum Haus und bimmeln. Drinnen bewegt sich etwas, es schnauft und klappert hinter der Tür, wahrscheinlich wird der Spion benutzt, dann schließen ungefähr sechs Schlösser, bis sich die Tür öffnet und Frau Stiehl uns überrascht anschaut:
»Jörg?«
»Hallo Frau Stiehl, ich hoffe wir stören nicht. Wir wollten nur fragen, ob ihr Sohn bei ihnen ist?« sage ich und klinge wie ein Tatortbulle.
»Nein, der ist nicht hier? Wieso?« sagt Frau Stiehl. Sorge kraucht ihr sichtbar ins Gesicht.
Nun erzähle ich die Geschichte in massiv abgeschwächter Form, was aber nicht verhindert, dass Frau Stiehl entsetzlich zu hyperventilieren anfängt. Sie schnappt hektisch nach Luft, fuchtelt mit ihren Schmuck behängten Armen und beginnt atonal zu wimmern.
Da taucht Herr Stiehl im lila Hausanzug hinter ihrem Rücken auf. Ich hatte gehofft, dass er nicht da ist.
»Was ist denn hier los?« poltert er.
»Mein Junge ist verschwunden!« schreit Frau Stiehl und bricht auf den Terrakottafliesen zusammen.
Ich gebe mir Mühe die ganze Story, diesmal noch abgeschwächter, zu erklären. Herr Stiehl hört sich
die ganze Sache mit steinerner Miene an.
»Gebt mir zwei Minuten!« sagt er knapp und verschwindet, um einen Moment später wieder aufzutauchen. Er trägt jetzt eine lederne, großzügig geschnittene Vatijacke über dem Freizeitanzug, eine Sonnenbrille mit Goldrand und wedelt mit dem Autoschlüssel.
»Wir nehmen meinen Wagen!« sagt er in einer so überzeugenden James Bond-Stimme, dass wir ihm auch glatt hinterher zu Garage dackeln. Das heißt, nachdem ich die dramatisch zeternde Frau Stiehl von mir aboperiert habe.
Nachdem ich Herrn Stiehl aus der Garage gewunken habe, dürfen wir einsteigen. Ich darf vorne sitzen, Katja auf der Rückband. Herr Stiehl schnallt sich an, lässt die Reifen durchdrehen und braust die 20 Meter bis zur Einfahrt, schnallt sich ab, steigt aus, um das Tor zu öffnen, steigt wieder ein, schnallt sich an, um ebenso hektisch die nächsten fünf Meter zurück zu legen, sich abzuschnallen, wieder auszusteigen, um das Tor zu schließen und wieder einzusteigen, sich abermals anzuschnallen, den Blinker zu setzen und loszufahren. Das ganze Geruckel fördert meine alkoholbedingte Übelkeit. Ich schaue kurz zurück zur Terasse, wo Frau Stiehl in ihren Puschelpantoffeln steht:
»Bringt mir meinen Jungen zurück!« weint sie uns hinterher und hebt flehend
die Hände.

Ein Tag mit Lance!-Wo ist Lance???

Freaks! Die Show geht weiter! Lance wurde in der letzten Folge vom Nachtbus verschluckt. Und jetzt wollt ihr bestimmt wissen wie es weiter geht! Wollt ihr doch, oder? Ihr macht euch doch auch Sorgen, oder? Ihr seid doch auch Menschen, oder? Habt doch ein Herz!!!

Lance ist weg. Er wurde gestern vom Nachtbus verschluckt und ist seit dem nicht mehr aufgetaucht.
Ich stehe in seinem Zimmer, reibe mir den dröhnenden Kopf, versuche zu überlegen. Was tun?
Der erste Versuch, einfach ins Bett zu gehen, zu schlafen und schauen, ob die vermaledeite Situation nach dem Aufwachen wieder im Lot ist, ging daneben. Sein Telefon ist nach wie vor aus. Auch das ist seltsam! Wo ist der bloß?
Mir jagen die schlimmsten Phantasien durch den Kopf, in denen der grobe Busfahrer eine nicht unbedeutende Rolle spielt. Ich sehe Lance schon gefesselt im streng muffelnden Keller zwischen ausrangierten Geräten und Regalen voll Eingewecktem stöhnen, und wie er nach kurzen Martyrium
heulend meinen Namen ausspuckt. Ich sehe, wie sich eine wütende Busfahrerhorde formiert, um mir einen »Besuch« abzustatten.
Auf der Straße klappen Autotüren und mir schlagt sofort das Herz schneller. Ich trete zum Fenster, schiebe die Gardine beiseite, spähe vorsichtig durch die Scheibe, doch es ist nur eine Familie die aus ihrer Kutsche steigt.
Das Internet weiß vielleicht eine Antwort auf meine Frage. Ich gehe auf faithbook und prüfe das Profil von Lance. Kein Hinweis.
Dafür eine Freundesanfrage. Pitchgirl11, ohne Foto wirbt um meine Gunst. Hä? Ich bestätige und checke das Profil von meiner neuen »Freundin« – keine Anhaltspunkte zu finden, doch da chattet mich Pitchgirl11 auch schon an.
»Na? Ausgeschlafen ;-)?« schreibt sie.
»Jup! Und selbst?« antworte ich.
»Wir haben noch bis sieben gemacht!«
»:-O« schreibe ich.
»:-)« schreibt sie.
»:-)« schreibe ich wieder.
Tolles Gespräch! Nur weiß ich immer noch nicht, mit wem ich es führe. Einfach plump zu fragen ist mir jetzt auch nichts. Zumindestens hat sie auf die gestrige Party angespielt, deswegen frage ich:
»Haste was von Lance gehört?«
Ich warte zwanzig Sekunden, aber es passiert nichts. Was soll das denn jetzt? Die is doch online!
Was macht die denn? Kann die vielleicht mal antworten! In diesem Leben???
Ich stehe auf und hole mir ein Glas Wasser. Als ich den Flur durchschreite knarren die Dielen, was mich erstaunt, denn das höre ich zum ersten Mal.
Wieder vorm Rechner. Immer noch keine Antwort. Das kann ich leiden, erst anchatten und dann einfach nicht mehr antworten. Was glaubt die wer die ist, mich hier ewig warten zu lassen, denke ich und werde wieder auf die Ausgangsfrage zurück geworfen. Es sind schon fast drei Minuten ins Land gegangen und es herrscht Totenstille im Chatraum. Vielleicht ist ja was passiert? Menschen machen mich krank, sie durchkreuzen immer wieder meine Erwartungen. Aber da blinkt schon die Antwort auf:
»Nee, keine Ahnung. Seid ihr nicht zusammen los?«
Tja Pitchgirl11. Das willste jetzt wissen, aber nun wartest du erstmal noch ein bisschen, bis ICH Lust habe zu antworten. Ich gehe aufs Klo, wasche mir ausgiebig die Hände und sogar die Unterarme, hänge eine herunter gefallene Jacke an die Garderobe und kratze prüfend an einem Farbfleck, der am Türpfosten klebt, um ihn dann mit einem Fasenprüfer sorgfältig zu entfernen. Damit habe ich fast sechs Minuten zugebracht, mittlerweile ist auch schon der Bildschirmschoner an. Ich berühre die Maus und siehe da, Pitchgirl11 hat sich schon Sorgen gemacht:
»Hallo …noch da^^?« steht da jetzt.
Ich atme tief durch und beschreibe den gestrigen Nachhauseweg und die Geschichte mit dem Busfahrer. Pitchgirl11 gibt sich bestürzt und überzeugt mich nach einer Flut besorgter Nachfragen schließlich, doch mal bei den Eltern nachzufragen, weil das die einzigen sind, von denen ich zwar keine Telefonnummer habe, aber die ungefähre Adresse, und der Nachtbus endet ja auch in der kargen Stadtrandgegend, wo die Stiehls ihr bescheidenes Eigenheim haben. Das Lance vielleicht im elterlichen Nest abgestürzt ist, liegt nahe.
»Wir können auch zusammen dahin. Komm doch vorbei. « schlägt Pitchgirl11 vor.
Ich stimme zu und mache mich auf den Weg.

Die Ereignisse überschlagen sich! Wer is Pitchgirl11??? Wird Jörg den Lance finden? Ist Lance getötet worden? Zerhackt und geschreddert?
Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich kann nicht einfach so weiterleben, als wenn nix wäre…Mir fehlt der kleine Lance schon etwas, auch wenn er irgendwie auch scheiße is.
Naja, ich mach mir jetzt eine Tasse Tee.

Armee als Jukebox- Guttenberg´s Abgang

Eine Armee als Jukebox: Mit »Smoke on the water« spielten die Stahlhelmheinis dem Guttenberg stramm und feixend seinen Wunsch und der Lügenbold freut sich die Hucke stramm wie damals als er in den Düsenjäger klettern durfte. Da möchte ich nicht wissen wie er auf einer Hüpfburg abgeht.
Das sind auch die Spielchen, die »die da oben« so treiben. Ob Guttenberg, der wandelnde Schießbefehl und Fonzie -Verschnitt, sich bewusst ist, dass »Smoke on the water« von einem Idioten handelt, der ein Kasino mit einer Signalpistole abfackelt? Ich meine, er könnte es sich ja leisten – in mehrfacher Hinsicht.





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