Archiv für Dezember 2010

Silvester ist Krieg!

Ursprünglich solle die Silvesterknallerei die bösen Geister vertreiben, heute sind es aber die bösen Geister selbst, die jährlich ihre Kriegssehnsucht auf den Straßen und Plätzen ihrer Wohnsitze ausleben. Unter dem Deckmäntelchen der Tradition ziehen gesichtslose Horden mit todesverachtendem Heldenmut umher und verballern kiloweise Material bis das Außen genauso vernebelt ist wie das Innen- die Problemzone zwischen beiden Ohren.
Wer soviel knallt kann kein niemand sein, mögen sie zurecht denken, während sie mit Böllern jonglieren.
Ihre Köpfe passen auf jeden Fall unter Stahlhelm und Pickelhaube. Gebt ihnen Bajonette, Mörsergranaten und Spaten. Die kacken sich nicht ein, wenn´s um sie herum knallt und pfeift, sondern luken stolz und furchtlos aus den Schützengräben:
„Heinrich! In Deckung! Granatenangriff!“
Die feindlichen Batterien donnern, die feindlichen Kugeln sausen uns wie wütende Bienenschwärme um die Ohren, doch Heinrich hört nicht, sondern reißt die MG 08/15 aus der Verankerung.
Wie ein Fels in der Brandung steht er da, Körper und MG scheinen wie aus einem Granitblock geschlagen, als er unter einem Wutgeheul das Feuer auf die feindlichen Linien eröffnet.
Die Antwort ist ein höllischer Kugelhagel von Seiten der Fremden. Da kippt Otto plötzlich nach hinten. Getroffen! Glatter Bauchschuß.
„Otto! Sanitäter!!!“
Otto schreit und wimmert. Die Gedärme quellen aus ihm heraus. Überall Blut. Verdammt, Otto! Mit seinen 19 Jahren ist er doch noch fast ein Kind. Diese Bestien!
„Halte durch, Otto!“
„Mir ist so kalt, mir ist so verdammt kalt!“ keucht der Kamerad.
Auf einmal bedrohliches Brummen aus der Ferne, dass sich rasch nähert. Luftangriff!
Und da ist die Junkers Ju 87 schon über uns. Ich kann die ausgefahrenen Sturzflugbremsen der Stuka sehen- aber warum greift sie uns an? Der Feind ist doch…
Ich werfe mich neben unseren Funker Karl Vogelbach in den kalten Schlamm, der den Boden unseres Unterstandes bedeckt…

Ok, ok ich hör ja schon auf.

Hallihallo!

Kleiner Felix

Bildquelle: Leipziger Volkszeitung vom 16.12.2010

Dieses Foto prangte letzte Woche auf der Titelseite der LVZ. Hei, hatte der kleine Felix einen Spaß
am berühmten Connewitzer Kreuz mit seinen »Kameraden«.
Jeder weiß, dass in der Schulzeit immer nur den Beliebtesten die Freude des Einseifens vergönnt war. Das dem kleine Racker mit der Batmanmütze schon die Wangen lila gefroren sind und er kaum durch die verklebte Brille schauen kann, macht dabei gar nichts.
Die Einseifer, von denen auch einige bei der letzten größeren Schneeballschlacht am Kreuz gewesen sein sollen, werden ihrem Felix am Tag darauf anerkennend auf die Schulter gehauen haben, die Mädchen werden aufgeregt kichern, weil ihr seifiger Freund nun auf 200.000 Titelseiten zu sehen war. Felix spielt jetzt wohl in der Oberliga. Danke LVZ!

Was für´s Fest: Sarrazin!

Nicht wenige werden den Sarrazinbrüller dies Jahr unterm Gabentisch finden, denn das Teil liegt unter den (Un)sachbüchern zur Zeit auf Platz 1 der deutschen Verkaufscharts.
Sarrazin hat jetzt schon Millionen mit seinem Machwerk verdient und jetzt kriegt er noch was drauf.
Der neue Reichtum wird ihn aber auf kurz oder lang noch verschrobener machen, denn Reichtum macht unglücklich, denn wenn man die ganze Zeit mit seinem Besitz beschäftigt ist, bleiben die wichtigen und schönen Dinge im Leben auf der Strecke, so steht´s in der »Psychologie Heute«.
Haha!
Sarazin könnte die ganze belastenden Kohle auch spenden, denn es fehlt zur Zeit Geld für 9000 Integrationskurse. MigrantInnen verdienen auch in der Regel eine Ecke weniger als die Angst geplagten Deutschländer, denen 25 Euro für ideologisches Massenfutter weder zu schade noch zu viel für ein so knuffiges Geschenk ist.
Mir wird ganz seltsam um´s Herz bei der Vorstellung, dass sich Wutbürger aus dem Kreis der besser verdienenden Parallelgesellschaft und empörungssüchtige Primaten aus der radikalen Mitte über die Feiertage im besinnlichen Kerzenschein im Sarrazin schmökern, sich mit Tabellen, Fakten und Hauptsätzen eine Meinung anfressen, die sie dann als Horde im neuen Jahr in die Landschaft speien können.
Sarrazin – ein wirklich gefühlvolles Geschenk mit Erlebnischarakter. Lesen bis man vor Wut fast platzt und dann krähend das Ventil aufdrehen.

Störfaktor Christbaumkauf

Jeder zehnte Deutsche empfindet den Kauf eines Christbaumes als »Störfaktor«, weil sich bei der Wahl des richtigen Gewächses unglaubliche Entscheidungsschwierigkeiten auftun. Dieses, sich auf eine Umfrage berufende, Ergebnis hat es heute auf die Titelseite der Leipziger Volkszeitung geschafft-da stehen die Chancen gut, dass dies demnächst auch in NEON´s unnützem Wissen auftaucht.
Was soll diese Information? Interessanter wäre doch zu erfahren, wie viele Menschen Weihnachten an sich als Störfaktor empfinden? Für viele ist das doch nur Stress, für einige wird das ganze zum Fest der Hiebe oder auch zum Jahreszeit gemäßen pervertierten Konsumverhalten, sofern Kohle da ist.
Die Verwandten melden sich seit Tagen und erreichen, dass man die Feiertage auf die Minute genau durchplant. Das alles reicht doch schon und dann soll man sich im Vorfeld auch noch mit Koniferengeäst herum ärgern? Nicht mit mir!
Ich stelle mir keinen Baum in die Bude, dass ich täglich zweimal den Weihnachtsmarkt streife und alle vorhandenen Medien seit Wochen mit Glocken, Zweigen und Engeln nerven und immer wieder das gleiche X-mas-Gedudel wiederholen, reicht mir voll und ganz.

Das Wort zum Sonntag mal anders

In Sachsen ruft letzten Sonntag eine Mieterin um 10.45 die Polizei wegen Ruhestörung, weil ihre Untermieterin seit drei Stunden bei offenem Fenster laut und erbittert gegen die Merkel schimpft. So steht´s heute in der LVZ. Warum, »konnten die Beamten nicht in Erfahrung bringen« schreibt die LVZ.

Mich würde schon interessieren was die Frau drei Stunden über Angie zu meckern hatte-da hat sich bestimmt einiges aufgestaut in den letzten Jahren, aber warum dieser Ausbruch an einem Sonntag morgen um 7.45 Uhr?
Vielleicht handelt es sich hierbei um eine neue Protestform im Privaten. Der vereinzelte Wutbürger auf der Schwelle zwischen Öffentlichkeit und Privatleben, der Wohnzimmerteppich als politische Bühne.
Oder da ist jemand einfach nur mal n bisschen durchgeknallt -die Bundeskanzlerin bietet doch für viele eine ideale Projektionsfläche.
Immerhin, in die Zeitung hat die Schimpferin es ja geschafft. Doch über die Inhalte erfährt die Leserschaft mal wieder nichts, denn denn ein »klärendes Gespräch« mit der Polizei lehnte die Meckertante brüsk ab. Wahrscheinlich weil von ihrer Seite zu diesem Thema schon genug gesagt wurde.




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